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Was die Bauernregeln mit Physik zu tun haben

Was die Bauernregeln mit Physik zu tun haben

Ein Beitrag aus der Waltroper Zeitung:

Dirk Schulz ist Fachlehrer am THG. Er weiß, wie sich Sonneneinstrahlung und Chaos-Theorie auf das Wetter auswirken.

Bild: Anhand von zwei Flaschen und darin befindlichem Wasser zeigt Physiklehrer Dirk Schulz in einem Experiment, wie ein Tornado (obere Flasche) entsteht. Anna Lisa Oehlmann

 

Eine Bauernregel besagt: „Abendrot – Schönwetterbot’“. Warum das in vielen Fällen stimmt, kann Dirk Schulz erklären. Er ist Lehrer für Mathematik und Physik am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in Waltrop.

Jeden Monat in diesem Jahr untersucht die WZ-Redaktion mit einem Experten ausgewählte Bauernregeln auf ihre Hintergründe. Diesmal erklärt Dirk Schulz die Regeln aus naturwissenschaftlicher Sicht.

 

Was hat es nun mit dem Abendrot auf sich? Normalerweise erscheint der Himmel blau, weil das Licht gegen Mittag aus kurzer Distanz relativ senkrecht auf die Erde fällt. Am Abend jedoch strahlt es in einem flacheren Winkel auf die Erde. Dann ist das rote Licht zu sehen, das eine höhere Wellenlänge erreicht. Dieses Licht ist allerdings nur zu sehen, wenn der Himmel nicht wolkenverhangen ist. Das Rot des Himmels wirkt noch stärker, wenn der Himmel im Westen wolkenfrei ist und die Wolken im Osten rot angestrahlt werden.

Da in unserer Gegend in der Regel das schlechte Wetter von Westen herziehe, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich das gute Wetter halte.

Wahrscheinlichkeiten spielen auch bei der Wettervorhersage eine große Rolle. Astronomen zerlegen die Atmosphäre in Würfel von circa einem Kilometer Länge. Die Wettersatelliten messen jeweils dafür die mittlere Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck. Diese Ausgangsbedingungen werden vom Computer erfasst und hochgerechnet. Bisher habe sich alle zehn Jahre die Voraussage verbessert. Doch richtig zuverlässig könne sie nie sein, sagt Dirk Schulz. Und das liegt an der Chaos-Theorie. Ändert sich nur eine der Ausgangsbedingungen minimal, ist das Ergebnis nicht mehr berechenbar. Das erklärt der sogenannte Schmetterlings-Effekt. Die Frage: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ zeigt, wie eine winzige Änderung die Entwicklung eines ganzen Systems beeinflussen kann.

„Bei der Wettervorhersage sind die Grenzen der Mathematik erreicht. Eine genaue Vorhersage wird es nie geben können“, sagt Dirk Schulz. Er bereitet mit seinen Schülern auch Projekte für „Jugend forscht“ vor. Ein Schüler baut gerade eine kleine Wetterstation mit einem Mini-Computer. Auch in einer Parzelle in der Gartenstadt hat der Lehrer mithilfe eines Haufens Biomasse Experimente mit Wetter und Temperatur gemacht.

„Regional stimmen einige der Bauernregeln“, sagt Dirk Schulz. In Waltrop verhält sich das Wetter widersprüchlich zu den Regeln vom 13. und 15. August. „Wie das Wetter an Hippolyt (13. August), so es mehrere Tage geschieht.“ Für den 15. August heißt es: „Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so es noch zwei Wochen bleiben mag.“ Die Temperaturen passen mit im Durchschnitt maximal 20,7 (15.) beziehungsweise 18,9 Grad noch ungefähr. Der Niederschlag geht aber mit 1,7 Litern am 13. und 9,8 Litern am 15. deutlich auseinander. In der Woche vom 21. bis 27. August hat die Wetterstation im Abdinghof zum Beispiel gar keinen Regen erfasst.

Auch eine weitere Regel passt diesmal nicht: „Um die Zeit von Augustin gehen die warmen Tage hin.“ Nach dem 28. August mit durchschnittlich 30,8 Grad Celsius kühlte es zwar kurz ab, aber am 31. August stieg die Temperatur wieder auf 31,8 Grad Celsius. Erst seit Anfang September ist es kühler.

 

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