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Wenn Knochen brechen und der Tod zu riechen ist

Wenn Knochen brechen und der Tod zu riechen ist

Ein Beitrag aus der Waltroper Zeitung:

Thorina zuckt zusammen. Die 15-jährige Realschülerin sitzt im Halbdunkeln. Mit einem Knall zerplatzt ein Luftballon. Der Ballon steht symbolisch für die Träume, die sich in Luft auflösen, wenn ein junger Autofahrer bei einem Verkehrsunfall stirbt.

Thorina wünscht sich später einen guten Beruf, eine eigene Wohnung und eine Familie. Jetzt ist ihr bewusst geworden, wie schnell das alles vorbei sein kann.

Die Zehntklässlerin sitzt, ebenso wie rund 200 weitere junge Erwachsene der Realschule und des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), in der abgedunkelten THG-Aula.

Gebannt lauscht sie dem „Crash-Kurs NRW“, den Ute Honvehlmann organisiert. Polizisten, Feuerwehrleute, Notärzte und Notfallseelsorger schildern bildreich und emotional aus eigenem Erleben die Ursachen und oft schrecklichen Folgen von Verkehrsunfällen.

Aus den Lautsprechern tönt das Lied „Geboren, um zu leben“ von Unheilig. Noch unterhält sich Thorina ganz entspannt mit ihrer Freundin. Sobald aber Moderatorin Susanne Klodt beginnt, bleibt ihr Blick gebannt auf die Bühne gerichtet.

Auf einer Leinwand erscheinen reale Einsatzbilder der Polizei. Es werden zerbeulte Autowracks und Trümmerfelder auf der Straße eingeblendet, unterlegt mit dramatischer Streichermusik. Thorina sitzt ganz ruhig da. Es wird ein Film eingespielt, der einen Autofahrer zeigt, der bei einem selbst verschuldeten Unfall ein Kind mit in den Tod reißt.

Die 15-Jährige bekommt Gänsehaut, sie beißt sich auf die Unterlippe. „Die Bilder sind so realistisch. Da wird einem erstmal bewusst, welche Folgen so ein Unfall haben kann“, sagt die Schülerin.

Auch die Schilderungen von Polizeidirektor Karl-Heinz Henn und besonders von Ludwig Hötten-Löns von der Feuerwehr Dorsten bewegen Thorina. Hötten-Löns schildert das Geräusch, wie Knochen brechen und ein Kopf wie eine herunterfallende Wassermelone zerplatzt. Er beschreibt den „Duft des Todes“: „Man riecht das 36 Grad warme Blut, den Urin und den Stuhlgang“, beschreibt er. „In diesem Moment weiß man, selbst wenn sie das überleben, wird für diese Menschen nichts mehr so sein wie vorher“, sagt Hötten-Löns.

Notarzt Dr. Jörg Hansmeyer vom Marienhospital Marl schildert einen Unfall, den er nicht vergessen wird: den Tod seines Onkels und seiner Tante durch übermütige junge Fahrer. Er macht deutlich, wie langwierig die körperlichen Folgen sind. Um die seelischen Narben kümmert sich zum Beispiel der Waltroper Pfarrer und Notfallseelsorger Ulrich Lammers. „Wenn mich jemand fragt: Wie konnte Gott das zulassen, werde ich innerlich manchmal richtig sauer“, sagt er. „Was hat das mit Gott zu tun, wenn ein junger Mensch betrunken über Gleise geht und dabei stirbt?“, fragt der Geistliche. Er möchte den Jugendlichen, genauso wie seine Vorredner sagen: Seid nicht so leichtsinnig.

Thorina schaut auf, eine Schülerin steht auf – sie wird nicht die einzige bleiben. Sie hält es nicht aus. Auch ihrer Freundin laufen die Tränen, die toughe Jugendliche nimmt ihre Hand. Als erneut das Lied „Geboren, um zu leben“, erklingt, verspürt Thorina das erste Mal den wirklichen Wunsch, zu gehen. Dann ist es vorbei.

Eines hat die Zehntklässlerin nachhaltig beeindruckt: „Am abschreckendsten war, dass so kleine Dinge das Leben so sehr verändern können“, sagt Thorina. Den Führerschein möchte sie trotzdem machen und unterwegs nicht mehr auf ihr Handy schauen. Sie wird nie vergessen: „Wir sind alle selbst verantwortlich für das, was wir tun.“

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