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Bienen liefern Daten statt Honig

Bienen liefern Daten statt Honig

Ein Beitrag aus der Waltroper Zeitung:

Das Theodor-Heuss-Gymnasium hat einen digitalen Bienenstock, der von einer rührigen AG betreut wird. Das Insektenvolk zieht zwar erst im Frühling ein, aber die Messgeräte erfassen bereits Informationen über das Klima.

Timo Steinhaus liebt Honig. Den kauft seine Mutter direkt beim Imker. „Bei dem durfte ich auch schon mal zugucken und mithelfen“, verrät der Elfjährige. Als das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) eine Bienen-AG einrichtete, war ihm daher klar: „Da mache ich mit.“

Initiiert und geleitet wird die Arbeitsgemeinschaft von Lehrer Jens Strohmeyer. Er unterrichtet Biologie und Sport, ist vor allem aber privat ein großer Fan der kleinen Tierchen: „Ich bin seit 25 Jahren Hobby-Imker.“ In der AG geht es aber weniger darum, den Schülern die Honiggewinnung näher zu bringen. „Unsere Bienen dürfen ihren Honig behalten“, betont Timo, „das ist auch viel besser für sie.“ Stattdessen liefern die Tiere – oder genauer gesagt der Stock, in dem sie leben werden – wichtige Daten und Informationen über das Klima in Waltrop.

„we4bee“, auf gut Deutsch „Wir für Biene“, heißt das gemeinnützige Projekt, für das sich auch das THG mit einem Video beworben und im vergangenen Jahr den Zuschlag erhalten hat. „we4bee“ stellte der Schule den digitalen Bienenstock als Bausatz zur Verfügung. „Den haben die Kinder natürlich selbst zusammengebaut“, betont Jens Strohmeyer. Die Mini-Holzhütte ist mit Messgeräten ausgestattet, die rund um die Uhr die Temperatur (außen und innen), den Wind, den Niederschlag, die Lichtstärke und den Feinstaub messen. Außerdem steht der Stock auf einer Waage, sodass auch das zu- und abnehmende Gewicht des Bienenvolkes und seiner Waben aufgezeichnet wird.

„Jeder kann sich die Daten ansehen“, verrät Timo und zückt sein Smartphone. Darauf hat er die App von „we4bee“ installiert und scrollt ruck, zuck zu den Waltroper Klimainfos. Aber auch die Werte von weiteren 99 Standorten digitaler Bienenstöcke sind abrufbar. „Diese Daten sind natürlich für viele Unterrichtsfächer interessant“, berichtet der Lehrer. „Aber auch andere Imker können diese Informationen nutzen“, spricht Strohmeyer aus eigener Erfahrung.

Zwei Webcams – eine ist am Flugloch, die andere im Bienenstock angebracht – liefern jede halbe Stunde ein aktuelles Foto. Aus Waltrop ist dort aktuell nur Leere zu sehen. „Wir haben ja auch noch gar keine Bienen“, verrät Jonathan Kayser (10) und lacht. Sein Bruder Josias (9) ergänzt: „Die kommen doch erst im Frühling.“ Spätestens im Mai siedelt der Lehrer eines seiner eigenen Völker in den digitalen Stock um. Dort werden die Insekten naturnah gehalten.

Die Bienen werden sich ein eigenes Nest bauen und munter ihre Brut versorgen. Im Gegenzug dürfen sie ihre Produkte, die die Menschen so gern abschöpfen, behalten: den Honig, das Wachs, die Pollen. Sie werden also zu reinen Selbstversorgern. „Wir müssen sie nur gegen die Varroa impfen“, sagt Jens Strohmeyer. Denn gegen die aus Asien eingeschleppte Milbe haben die heimischen Honigbienen keine Chance.

Damit die künftigen Bewohner auch genügend Nahrung finden, wurde der digitale Bienenstock auf eine Wiese hinter der Schule gestellt. Im vergangenen Jahr hatten die Kinder dort schon Blumensamen ausgesät. Die Blütenpracht erfreute Schüler und Lehrer gleichermaßen. Aber vor allem war sie ein buntes „Insektenrestaurant“. Nachdem der Ver- und Entsorgungsbetrieb das Laub mit einem schweren Wagen abgeholt haben, ziehen sich zum Ärger der Kinder tiefe Reifenspuren über die Wiese. „Das sieht schrecklich aus“, schimpft Josias. Der Lehrer beruhigt die aufgebrachten Schüler: „Die Pflanzen erholen sich, bald blüht hier wieder alles.“ Dann werden sich im Sommer nicht nur die fliegenden Gymnasiasten auf der Wiese tummeln. „Bienen sind sehr schlau. Die teilen in ihren Stöcken durch einen Tanz mit, wo es Nektar gibt“, erklärt Timo. Gesehen hat er das bislang nur auf Zeichnungen. Ab Mai sendet die Webcam dann Fotos vom Waltroper Bienentanz und gewährt endlich Einblicke ins pralle Insektenleben.

 

Biene 2

 

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